Von Sardinien nach Mallorca

Die erste Etappe von Sardinien nach Mallorca

Reiseblog vom Segeltörn nach Mallorca
Mitsegeln im Mittelmeer

12.9.15 Es wird späte Nacht, aber dann ist die Crew doch komplett. Die Einkäufe für unsere gefühlte Weltreise haben Andreas, Rüdiger und ich schon am Nachmittag erledigt. Später kommen Freunde von Rüdiger, Eda und Georg noch dazu und gegen 23.00 Uhr ist Flo dann auch da. Rüdiger und Flo sind schon vorher mit mir gesegelt und hatten Lust auf das Abenteuer mal echtes Blauwasser zu segeln.

eine lange Segeltour durch das westliche Mittelmeer
Überführungstörn von Sardinien nach Mallorca

Am Sonntag geht es dann recht früh los. Bei den normalen Urlaubstörns lassen wir uns morgens immer Zeit – nur keine Hecktik ! Diesmal ist es etwas andres – wir müssen Strecke machen. 420 Seemeilen sind nicht wenig. Die Leinen sind noch vor 8.00 Uhr los und wir segeln erstmal nach Castelsardo. Die erste Etappe sind "nur 55 sm". Zunächst haben wir ganz guten Wind aus SO, der dann schwächer wird, bis wir den Motor anmachen müssen um das letzte Stück zu schaffen. Die Strecke hat richtig Spaß gemacht. Flo schnappt sich meine Gitarre und wir haben uns unterwegs beim Gitarre spielen abgewechselt und gesungen. In Castelsardo machen wir im Hafen fest und gehen nochmal richtig lecker Essen.

Ich studiere schon seit Tagen die Wetterkarte und nach jeder Aktualisierung stellt es sich ganz anders dar. Auf dem westlichen Mittelmeer begegnen sich zwei unterschiedlich Luftdrucksystheme deren Zugrichtung uns Stärke wohl nicht so klar vorhersehbar ist. Je nachdem, wie die sich bewegen, kann der Wind aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Da ist es schwer eine gute Strategie für die Überfahrt zu finden. Zunächst ist hoher Wellengang angesagt, dann wieder weniger, mal segelbarer Wind, dann zuviel oder zuwenig. Die letzten Wetterdaten sagen uns dann vorraus, dass wir nach ein paar Stunden und Seemeilen Richtung Westen um ca 15.00 Uhr einen schönen Nordwind bekommen, der uns nach West/Süd bringen soll. Dann kommt einen kurze windschwache Zone bis dann soll ein sportlicher Süder einsetzt mit dem wir nach Menorca kommen sollten, bevor er auf Südwest dreht – was wir gar nicht gebrauchen könnten. Soweit der Plan .... Ankunft Übermorgen 18.17 Uhr in Mahon ;-))  

Sonnenuntergang auf dem Mittelmeer
Sonnenuntergang auf dem Mittelmeer

Zunächst geht es gut los. Der Himmel ist bewölkt, aber mit Amwindkurs sind wir teiweise über 8 kn schnell. Aber schon der erste Plan der Route geht nicht auf. Wir wollten eigentlich die Passage bei der Isola Piana nehmen. Dazu müßten wir aber heftig aufkreuzen und würden viel Zeit verlieren. Also segeln wir mit gutem Speed im Norden an der Inselkette vorbei. Der Wind kommt aus WSW und genau da wollen wir ja hin. Also segeln wir am Wind was geht NNW. Irgendwann soll ja der Norder mit 3-4 Bf kommen....

Gegen 19.00 Uhr läßt der Wind dann nach. Wir können nicht mehr segeln und der Norder ist nicht gekommen. Also starten wir den Jockel und motoren Richtung WSW.

So nach und nach setzt eine unangenehme Dünung von vorne ein und die JOJO "bockt". Nach einer Weile kommt eine zweite Welle aus Nordwest dazu. Jetzt haben wir Kreuzsee und das Boot mach unberechenbare Bewegungen. Es dauert nicht lange und zwei von der Crew liegen flach und sind nicht mehr einsetztbar. Andreas sieht man dann nur noch einmal im Cockpit und da hat er unsere volle Aufmerksamkeit. Mit einem großen "P" auf der Stirn kommt er hoch und ruft "DA KOMMT WASSER INS SCHIFF !!" Man, hab ich mich erschrocken ! Die Dachluke war nicht ganz zu und es ist Spritzwasser hereingetröpfelt. Puhh !  

Flo ist wirklich ein ganz Großer. Der ist nicht nur toll für die Stimmung an Bord, der ist auch wirklich Seefest und hat sich bei dem Gewackel an den Herd gestellt und für uns ein kraftgebendes Rührei mit viel Gemüse gemacht. Außerdem kann man sich beim Posen viel von ihm abschauen. Yaaehhh man – krasser Scheiß ! ;-)


Trotz der blöden Kreuzsee, die Nach, so mitten auf hoher See war ein Erlebnis. Der Sonnenuntergang war schon spektakulär mit den leuchtenden Wolken. Aber dann ist der Himmel aufgeklart und es gab einen bombastischen Sternenhimmel. Wir haben Sterne bis an den Horizont herunter gesehen – so klar. Hammer ! Es war die Neumondnacht und sowas von Finster! Auf der Milchstraße hätte man Fahrad fahren können.

Ich habe schon oft gesehen, wie der Große Wagen untergeht. Diesmal hat er sich über dem Horizont gedreht und war die ganze Nacht zu sehen.  

Auf der Nachtwache von Rüdiger und Georg sah es dann so aus, als ob hinter uns eine Yacht immer näher kommt. Die hatte ein außergewöhnlich helles Toplicht das immer höher stieg.

Diese super helle Lampe stellte sich dann heraus war die Venus ! So hell hab ich die noch nie gesehen !

Wir haben übrigens bis 40 sm vor Menorca nicht ein einziges Schiff gesichtet. Wir hatten das Mittelmeer für uns allein. Vor Sardinien haben wir noch große Schwärme Bonitos gesehen (kleine Thunfische) und recht häufig haben uns auch Delfine besucht. Das waren meist sehr kleine Exemplare von höchstens einem Meter Länge. Aus dem Revier Korsika / Sardinien bin ich viel größere gewohnt.

An Schlaf war in der Nacht nicht wirklich zu denken und die Müdigkeit hat alle, die Wache geschoben haben, gepackt. So waren wir dann doch froh, als die Sonne aufging und langsan wurde die blöde Welle auch ruhiger. Dann am Morgen kam auch wieder Wind auf - und zwar aus Südwest. Wir konnten dann endlich den Motor wieder ausmachen und Segel setzten. So hoch am Wind wie möglich konnten wir einen Westkurs nehmen. Menorca lag aber von uns aus in WSW.  

Die JOJO am Steg vor Mahon auf Menorca
Die JOJO am Steg vor Mahon auf Menorca

So verging der ganze Tag bei konstantem Wind um 3 Bf mal weniger, mal mehr. Leider waren wir viel langsamer als erwaretet. Die Welle aus West hat die ganze Tour gebremst und war immernoch da.

Als es dann wieder dunkel wurde waren wir alle etwas frustriert, das Menorca noch immer nicht in Sicht ist. Außerdem hatte am Abend wieder eine wacklige See eingesetzt.

Das letzten Seemeilen vergingen quälend langsam. Wir hatten alle keine Lust auf noch so eine Nacht und wollten einfach ankommen. Wie lange noch ?? Sind wir bald da ?? ;-))

Gegen 22.00 Uhr endlich ein Licht am Horizont. Ein Leuchtfeuer von Menorca !!

Unter Segeln haben wir uns gegen Welle und Wind immer näher herangearbeitet. Als wir dann in Lee von Menorca waren und endlich keine Welle mehr gegen uns stand wurde das Segeln nochmal zu einem tollen Erlebnis. Die JOJO lag butterweich im Wasser und wurde richtig schnell. Der Wendewinkel beim Kreuzen wurde wesentlich kleiner und die Windstärke war mit 4 Bf perfekt.

So sind wir bis vor die Einfahrt von Mahon gekreuzt. Die Cala Teulera war im Hafenhandbuch als einzige Möglichkeit angegeben auf Reede zu liegen. Es war schon 2.00 Uhr Nachts und um einen Platz im Hafen zu nehmen, sollte man sich dort auskennen.

Bei Tageslicht sieht die Einfahrt von Teulera nicht so schmal aus, aber bei pech schwarzer Nacht mit zwei übermüdeten Mitseglern mit Taschanlampen auf dem Vorschiff, , die im Auskuck stehen wirkt sie sehr sehr eng !

Man muß eine halbe Seemeile zwischen Felswänden hindurch, die sehr bedrohlich wirken im Schein der Taschanlampen. Nachher mußten wir lachen als wir uns an die geschockten Rufe erinnert haben. "Jochen, da is nichts ! Da is nur ne Mauer, da gehts nicht rein ! Jochen, dreh ab da is nur ne Feldwand ! Wieso fährt der weiter ? Jochen, hörst du nicht brems ab !!!"

" Ah da vorn is was ... das ist viel zu schmal für uns da passen wir nicht durch, dreh ab !"


Ich hab mich auf das Navi verlassen und das wir da schon reinpassen werden und bin ganz langsam weiter. Als wir dann durch die 800 Meter lange Einfahrt waren, kamen die Rufe: " Das ist viel zu klein für uns, da liegen nur ein paar Jollen. Dreh um !! " (Die Jollen haben sich am nächsten Morgen als zwei 45er Katamarane und eine 60er HR entpuppt ;-))

Ach was, mach den Anker klar ! ... und runter damit !

Eigentlich wollten wir ordentlich was trinken, wenn wir angekommen sind ... aber dafür waren wir viel zu müde.  

Die haben schon ein Buch darüber geschrieben ! Ein ganzes halbes Jahr JOJO ! ;-)
Die haben schon ein Buch darüber geschrieben ! Ein ganzes halbes Jahr JOJO ! ;-)

Am nächsten Morgen sind wir dann zum Tanken nach Mahon reingefahren und fanden es so schön da, dass wir beschlossen haben hier einen Tag eine Erholungepause zu machen. Es sah eh nicht so gut aus mit dem Wind um weiter nach Mallorca zu kommen. Flo hat mir dann noch geholfen die Zweifarbenlaterne am Bug zu reparieren. Die war auf den letzten Seemeilen in der Nacht davor ausgefallen.

Am Donnerstag haben wir uns dann auf nach Mallorca gemacht. Die Wettervorhersagt sah so aus, dass wir gegen Mittag zwischen Menorca und Mallorca NW haben sollten. Diesmal ging die Rechnung mit der Wettervorhersage auf und wir hatten einen super relaxten Törn nach Malle. Zur Krönung vom der Tour, haben uns für eine ganze Weile Delfine begleitet und sind am Bug fröhlich gesprungen. Flo hat da ein super Video gemacht und auf facebook gestellt. Mal schauen, ob ich das hier verlinken kann.


Unser Stop für die Nacht war dann in Porto Colom. Gegen 22.00 Uhr sind wir in die Bucht gefahren und haben uns an einer Boje festgemacht.

Auch am letzten Tag der Etappe konnten wir toll segeln. Das erste Stück mit raumem Wind und teilweise sogar mit Schmetterling. Das letzte Stück nach Porto Palma war dann richtig geiles Speedsegeln auf Amwindkurs. Unsere Stimmung war super, bis wir versucht haben in Porto Palma einen Liegeplatz zu bekommen. Auf Sardinien bekommt man in dieser Jahreszeit überall einen Platz. Hier auf Malle ist das anders ! Von den 6 verschiedenen Marinas im Hafen hatte nicht eine einen freien Platz für uns. Über 2 Stunden sind wir durch den riesigen Hafen gefahren und haben über Funk und Telefon versucht was klar zu machen. 40 Minuten bei Seitenwind in den engen Gassen einer Marina, ohne das ein Marinero mal gekommen ist. Das nervt ! Am Ende waren wir froh, dass wir zwischen den Stegen an einer Außenmole festmachen konnten. So weit weg von der Altstadt, dass wir den Bus nehmen mußten.

Mitsegeln auf der JOJO im Mittelmeer
Mitsegeln auf der JOJO im Mittelmeer

Die erste Etappe ist geschaft ! Jetzt kommt noch eine Woche Easytörn, wo wir uns auf Malle umschauen. Flo, Georg und Eda sind planmäßig von Bord gegangen. Dafür ist Bob gekommen. Außerdem Rous und Sabine, die schon im letzten Jahr mit an Bord waren.

Gestern abend haben wir mit der Nachbarcrew ein bißchen gefeiert und nicht alle sind heute morgen so ganz fit ;-) ... da es heute eh regnerisch ist machen wir ruhig - Zeit etwas auf den Blog zu stellen.

Am 27.9. geht´s dann weiter Richtung Mallaga. Hoffentlich sind die Winde uns gnädig !

Der schöne Anschluß vom Segeltörn Mallorca

Fish and bear
Schleppangel beim Segeln von der Yacht aus war erfolgreich.

Zu ergänzen zum vorherigen Blog Mallorca, wäre noch von dem schönen Abschluß zu berichten. Es war zwar zunächst bewölked, aber da kann man ja super angeln. Also hab ich die Schleppangel rausgehangen und auch gleich 3,5 Bonitos gefangen. Das ist ein kleine Thunfischart. Scheinbar ist der Köder und die Geschwindigkeit genau das Richtige für Bonitos – später sollte ich noch mehr und vor allem größere fangen.

Abends habe ich dann den Fisch lecker zubereitet und überhaupt war der Ankerplatz und der geniale Sonnenuntergang ein runder Abschluß. Ich hab ja auch gelernt aus der letzten Woche und in Palma einen Liegeplatz reserviert. Also gabs auch da keinen Stress. - alles schön !

Aktivurlaub für Alleinreisende
Urlaub auf einer Segelyacht mit Entspannung

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Sabine (Donnerstag, 22 Oktober 2015 15:59)

    ausgezeichnete Bonitos bei ausgezeichneten Gitarrenklängen (plus Gesang ;-) von Jochen !
    Es war eine super Zeit mit Euch !

  • #2

    Waldemar (Dienstag, 09 August 2016 10:30)

    Danke für den tollen und spannenden Bericht. Das hört sich nach viel Spaß an. Ein Erlebnis und viele Erinnerungen fürs Leben. Einfach toll. Ich fange gerade mit dem Führerschein an :)

  • #3

    Gerald (Donnerstag, 31 August 2017 15:46)

    Die Fotos sehen ja klasse aus! Wir wollen in 3 Wochen einen ähnlichen Trip wagen und sind schon sehr gespannt! Unsere Angelsachen sind schon mal gepackt :)