20 Jahre Profiskipper

Wie ich als Landratte meine Liebe zu Segelschiffen gefunden habe

über 80.000 sm im Kielwasser
Skipper Jochen auf der Jojo

In diesem Jahr feiere ich mein 20-jähriges Dienstjubiläum. 20 Jahre Profiskipper!

Kaum zu glauben wie die Zeit vergeht. Seit 20 Jahren mache ich einfach das, was ich am Liebsten tue – segeln!

Ich wurde schon oft gefragt wie es soweit kommen konnte. Viele vermuten dann eine Familientradition, und der Papa hat es dir schon als Kind beigebracht. Weit gefehlt! Mein Vater hat Briefmarken gesammelt .... aber ach ... über das Trauerspiel meiner Familie möchte ich mich gar nicht auslassen. Ich will euch ja nicht zum Weinen bringen.

Keiner aus meiner Familie oder meinem Freundeskreis hat etwas mit Wassersport zu tun gehabt. Ah, doch einer, der hatte ein Surfbrett, mit dem ich es auf dem Allersee mal probieren durfte.

Also wie zum Teutas bin ich dazu gekommen?

 

 

Die kurze und korrekte Antwort lautet: durch eine Vision!

Eine Vision wird Realität.
Eine Vision wird Realität.

Immer, wenn ich die Geschichte Abends im Cockpit erzähle, schauen mich an diesem Punkt dann Menschen mit gekräuselter Stirn an. Hä?? Wie? Also wieso? Vision? Erzähl mal genauer!

 

Ich war in einer Eliteausbildung für Führungskräfte im Handel. Wir waren ein karrieregeiler, kleiner Haufen junger, aufstrebender Roboter, denen jede Art von Fortbildung ermöglicht wurde.

So waren wir dann mal wieder auf einem Rethorik Seminar in einem Hotel im Spessart. Am Abend kommt der Seminarleiter zu mir und läd mich auf ein Bier im Foyer ein. Ich kann mich noch an seinen Namen erinnern: Gerald Ott. Und dann folgte ein kurzes Gespräch, das langsam aber stetig mein ganzes Leben verändern sollte. Ich bin ihm so dankbar dafür!

 

Er sagte: Ich sehe euch alle so voller Eifer. Ihr wollt Titel haben, Verantwortung übernehmen und viel Geld verdienen. Aber all das ist hohl und schal, wenn kein höheres Ziel dahinter steht.

Ein höheres Ziel?? Ist das Ziel nicht Chef zu sein und Kohle zu machen??

Dann sagte er zu mir: Nein, das ist es nicht! Ich weiß von dir, dass du meditierst. Wenn du das nächste Mal ganz entspannt im Alpha-Zustand bist, dann versuche dir vorzustellen, dass du total zufrieden mit deinem Leben bist und in deinem Leben angekommen bist. Wenn du dann fühlst, dass dein Leben rund ist, öffne deine inneren Augen und schaue in welchen Lebensumständen du mit diesem Gefühl bist. Wenn du dann eine Vision hast – go for it! Das ist dann deine Bestimmung. Alles andere ist unwichtig.

 

 

Bei meiner nächsten Meditation habe ich mich an das Gespräch erinnert und wollte es auch ausprobieren. Als ich das Gefühl von innerem Frieden und dem "ich bin glücklich und in meinem Leben angekommen"  verankert hatte, habe ich mein inneres Auge geöffnet und fand mich in einer Hängematte auf dem Vorschiff einer Segelyacht, die vor Anker in einer Bucht lag.  

Bis dahin war ich noch nicht mal auf einer Jolle segeln. Keine Ahnung, ob ich nicht gleich Seekrank sein würde. Was war das für eine komische Vision für eine absolute Landratte?

Aber es ließ mich nicht mehr los. Sollte es eine Weltumseglung werden? Was braucht man für Scheine? Was kostet ein vernünftiges Boot? Fragen über Fragen ....

 

Ich bin dann auf die BOOT nach Düsseldorf gefahren und es war deutlich, wie mein Herz anfing zu schlagen, als ich die tollen Yachten gesehen habe. Bewaffnet mit vielen Prospekten und Träumen habe ich dann in Berlin erst einmal einen Binnensegelschein gemacht. Das ist ja ganz nett, aber eins war gleich klar - mein Ding sind Dickschiffe. Wenig später habe ich dann auch den BR-Schein auf der Ostsee gemacht und es stellte sich heraus, dass ich großes Talent und gutes Gespür für Wind, Welle und Schiff habe.

 

Über den großen Teich

Horta auf den Azoren, die berühmten Gemälde auf dem Kai und "Peter´s Sportscafé" darf nicht fehlen
Horta auf den Azoren, die berühmten Gemälde auf dem Kai und "Peter´s Sportscafé" darf nicht fehlen

Mit dem Segelschein in der Tasche wollte ich dann natürlich mehr erleben und habe meinen Urlaub mit Segeltörns als Mitsegler verbracht. Unter anderem auch über den großen Teich. Der Atlantik hatte sich auf dem Törn von seiner rauhen Seite gezeigt und wir waren mit einer recht maroden Baltic 54 unterwegs. Gegen den Wind und die 8 Meter Wellen war es eine harte Zeit an Bord. Es war ein Flashdecker mit winziger Sprayhood. Das führte dazu, dass jede Welle über das ganze Schiff gerollt ist und dem Steuermann voll auf die Brust gehauen hat. So die 4 Stunden Wache durchzuhalten war echt anstrengend. Der Motor hatte Totalschaden und die Elektrik einen Kriechstrom, so dass wir alles an Strom abklemmen mussten und nur nach Gefühl durch die pech- schwarze Nacht gesteuert sind – ohne Autopilot. Es ging eh nur darum heile über die Brecher zu kommen und die Yacht nicht quer zu den Wellen zu legen. 300 sm vor England dann totale Flaute und wir waren manövrierunfähig. Mein Urlaub war schon seit ein paar Tagen abgelaufen, als wir in Plymouth unter Segeln an der Mole festgemacht hatten. Ich habe den Boden geküsst! OK, viel gelernt. Ich habe es mal erlebt bzw. überlebt. Aber Spaß? Ne, eher nicht. Danach stand für mich fest, dass ich lieber in Shorts und T-Shirt segeln möchte.  

 

Auf den Fotos sieht man oben das weltberühmte "Peter´s Sportscafe". Darunten den berühmten Hafen von Horta auf den Azoren mit alle den Gemälden, die Segler dort hinterlassen. Unten dann ein Bild von unserem Törn. Als es richtig hart kam, hatte keiner mehr seine Kamera raus geholt weil das Cockpit ständig unter Wasser war. Da gab es auch noch keine Gopro sondern nur analog Knipsen!

Vom Mitsegler zum Hobbyskipper. Wie ich meinen ersten Job als Skipper bekam

Segeltörn Sardinien mitmachen
segeln macht glücklich

Den nächsten Törn hab ich dann an der türkischen Riviera gebucht. 14 Tage. Leider hatte der verantwortliche Skipper schon lange keine Heuer mehr bekommen. Auch die Sekretärin der Segelagentur, die auf dem Törn dabei war, hatte kein Geld für ihn mitgebracht. Damals musste ein Skipper in der Türkei die Yacht in seinen Papieren eintragen. Als er sie ausgetragen hat kam unsere Yacht dann an den Zollhaken und wir hingen fest. Man, was waren wir sauer! Wir haben dem Veranstalter viel Druck gemacht. Als er dann sagte, er wisse ja auch nicht, was er jetzt machen soll, hab ich ihm vorgeschlagen eine kleinere Yacht zu chartern und ich würde sie segeln. Das hat er dann auch gemacht. Die Sekretärin an Bord war ganz begeistert davon, wie ich den Törn geskippert habe und hat ihrem Chef von mir vorgeschwärmt. Darauf hat er mir sogar eine Heuer überwiesen und mich gefragt, ob ich in meinem Urlaub nicht für ihn skippern wollte. Seitdem habe ich nie mehr für einen Törn etwas bezahlen müssen. Ab da habe ich meine ganzen Urlaube als Hobbyskipper verbracht. Der erste Schritt zum Segel-Profi war gemacht.

So wurde die Türkei zu meinem Segelrevier

Mitsegeln auf der JOJO Segeltörn mit Skipper
Karibik mit dem Katamaran 2000

Meine berufliche Karriere war - äußerlich betrachtet - sehr gut verlaufen. Ich war Anfang 30, auf meiner Visitenkarte stand "wichtig, wichtig". Ich war Geschäftsführer einer großen Filiale - Chef von mehr als 80 Mitarbeitern und hatte ein dickes Gehalt. Aber das Leben machte so gar keinen Spaß. Der kleine Hippie in mir, der schon als langhaariger Schüler durch halb Europa getrampt war, wollte mehr vom Leben!

Als ich eine kleine Eigentumswohnung abgezahlt hatte und noch ein paar Mark auf der hohen Kante lagen, kam die Entscheidung mein Leben noch einmal komplett umzukrempeln. Ich wollte Trainer werden und Seminare abhalten bis ich das Geld für eine eigene Yacht zusammen habe. Also machte ich meine Ausbildungen zum Verhaltenstrainer und zum Mentaltrainer. Das war Inhaltlich super interessant und hat mir viel Spaß gemacht, außerdem konnte ich selbständig sein. Ich habe ein offenes Seminar angeboten mit dem Titel "mein Leben selbst gestalten". Aber hatte ich das denn für mich selber schon umgesetzt?

 

Während ich mich um Akquise bei großen Firmen bemühte, kamen ständig Hilferufe von dem neuen Segelveranstalter, für den ich in meinem Urlaub unterwegs war. Jochen, Jochen wir brauchen dringend einen Skipper auf den Liparischen Inseln. Ja ok, mach ich. Dann war ich gerade ein paar Tage zurück und "ring, ring" das Telefon. Jochen Elba! Schon Übermorgen! Dann Griechenland, Sardinien, Karibik usw. So war ich fast den ganzen Sommer als SOS Skipper unterwegs. Monohulls, Katamarane, was immer man mir als Yacht gegeben hat, habe ich gesegelt. Die Crews kamen vom Veranstalter, der einen guten Katalog hatte. Internet gab es zu dem Zeitpunkt nicht. Wir hatte gerade mal die SMS entdeckt.  

Segeln zwischen den Liparischen Inseln

Die Liparischen Inseln

Raus aus der Tretmühle ! ein neues Leben beginnt

Im nächsten Frühjahr kam ein anderer Veranstalter auf mich zu und machte mir ein Angebot. Du bekommst eine feste Yacht zugeteilt mit eigener Kabine und ich leg ein paar Euro drauf, dann segelst du für mich von April bis Anfang November nonstop ab Rhodos. Diese Erfahrung wollte ich dann schon gerne mal machen. Darauf habe ich alle laufenden Kosten runter gefahren. Mein Auto verkauft, das Telefon abgemeldet, die Renten- und Krankenversicherung gekündigt, meine Wohnung möbliert vermietet und bin mit meinem Seesack losgezogen. Es sollte aber nur das eine Jahr werden!

In dem Sommer stellte sich sehr schnell heraus, dass ich wesentlich lieber an die türkische Küste gesegelt bin als zu den griechischen Inseln. Die Herzlichkeit und familiäre Atmosphäre bei den Türken hatte mich im Bann.

 

In so einer langen Saison lernt man viele andere Segler kennen und so kam es zu einer "folgenschweren" Bekanntschaft mit einem Schweden, der schon über 70 war und die Lust am Segeln verloren hatte. Er wollte nach Thailand, aber seine Yacht in Marmaris einen ganzen Sommer in der Marina zu lassen war ihm viel zu teuer. Seine Yacht, die "Ceylan" war eine Ozeanis 430 und gefiel mir sehr gut. Da habe ich ihm den Vorschlag gemacht, dass ich mich um die Yacht kümmere. Sie warte und dafür sorge, dass er keine Kosten hat. Ich wollte Mitsegeltörns veranstalten und habe ihm versprochen, dass er pro Gast 100 € bekommt. Keine Ahnung was und wie viel dabei rauskommen würde. Er hatte tatsächlich soviel Vertrauen zu mir, dass er sich darauf eingelassen hat.

Wie Geoege W Bush meine Skipper-karriere beflügelt hat

Hier hat die Ceylan schon eine deutsche Flagge. Anfangs war es eine schwedische.
Hier hat die Ceylan schon eine deutsche Flagge. Anfangs war es eine schwedische.

Was für eine blöde Idee von mir selbständig Mitsegeltörns anzubieten in einer Zeit, in der das Internet als Werbeplattform noch gar nicht existierte. Ich habe Flug-blätter verteilt und ein paar Anzeigen in Zeitungen geschaltet, aber die Resonanz war sehr mager.

Der befreundete Segelveranstalter wollte leider nicht bei mir einbuchen, weil sie selber eine Yacht in der Türkei gechartert hatten. Es sah ohnehin sehr schlecht aus und dann kam noch der Irankrieg, um meine Hoffnungen auf eine gute Saison entgültig zu zerstören.

Es war das Jahr 2003 und der olle W. Bush hat diesen sinnlosen Krieg mit dem Iran angefangen. In den Medien wurde oft von Kämpfen an der türkischen Grenze berichtet und keine Sau wollte in der Türkei Urlaub machen. Es sah alles nach einem absoluten Flop aus.

Ende März meldete sich der Geschäftsführer von der Segelagentur und sagte mir, dass die Türkei so schlecht läuft, dass sie ihre gecharterte Yacht zurückgeben wollten. Ob ich ihre Buchungen übernehmen möchte?

Dafür musste ich dann aber von Bodrum starten. Na klar! So wurden aus 10 Buchungen schon mal 30!

Kaum waren wir im April in Bodrum am Start, da wurde der Krieg beendet. Und bähm! Das Interesse an der Türkei war wieder da. Über den Agenten kamen Buchung über Buchung. Am Ende hatten wir eine super Auslastung. In 32 Wochen waren es 136 Gäste an Bord! Hammer!!

Als ich mich mit dem alten Schweden Ende Oktober dann wieder in Marmaris getroffen habe, um ihm seine Yacht zurück zu geben, kam er mit gemischten Gefühlen. Als ich ihm dann sagte, da steht die Yacht – alles läuft und hier hast du 13600 €. Da waren seine Augen am Leuchten und er fragte ganz spontan:

Was machst du nächsten Sommer?

Ein paar Tage später meldet sich die Segelagentur. Hey Jochen, also unsere Gäste waren alle begeistert von deinen Törns. Was machst du nächstes Jahr? Dann nehmen wir erst gar keine eigene Yacht, sondern lassen dich unsere Türkeitörns fahren.

 

Na dann – geh ich doch wieder segeln. Und so wurde ich vom angestellten Skipper zum Subunternehmer. In den folgenden Jahren war ich für den Agenten der Mann, der die Türkei bedient und auch die Ceylan sollte ich noch lange segeln.   

Segeltörns an der türkischen riviera - aller Anfang ist schwer!

Ein glücklicher Skipper. Wenn man in seinem Leben angekommen ist.
Ein glücklicher Skipper. Wenn man in seinem Leben angekommen ist.

Das klingt für dich wahrscheinlich so, als würde ab da ein paradiesisches Leben anfangen. Ich könnte das jetzt auch so beschreiben. Es ist ja immer die Frage, was erzäht man, und was lässt man weg. Die Wahrheit ist, dass so ein Leben als Aussteiger auch viele Rückschläge und Widrigkeiten mit sich bringt. Eine falsche Partnerin und der böswilligste Nachbar den man sich vorstellen kann haben mit dem Skippern nur bedingt zu tun, sind aber der Grund, warum bereits im Winter, vor der Segelsaison, dicke schwarze Wolken über meinem Paradies aufzogen...

Die nächste Segelsaison sollte ja planbar sein. Der Agent hat die Abnahme von Kojen garantiert und die Ceylan ist ein prima Schiff. Aber der Saisonstart war extrem schwer. Erst wollte die Marina uns nicht mit der Ceylan auslaufen lassen, obwohl ich einen Chartervertrag mit dem Eigner vorzeigen konnte. Dann wurde es ungewöhnlich schwierig die behördliche Genehmigung für die Mitsegeltörns zu erhalten. Da hatte ein Mitbewerber versucht mich zu sabotieren und alle seine Kontakte genutzt, um mir das Leben schwer zu machen.

Meine Freundin hatte mich bereits vorher zur Verzweiflung gebracht, da ruft auch noch der Agent an und möchte seine garantierten Abnahmen stornieren, weil es zu wenig Buchungen gibt. Wie sagt man? Haste Scheiße am Schuh, dann haste Scheiße am Schuh, und so kamen noch gravierende Probleme mit dem Motor der Yacht dazu. Die Segel rissen beide beim ersten kräftigen Meltemi und der Eigner sah nicht ein, dass er Geld in seine Yacht investieren muss. Wer jetzt sagt, da habe ich doch lieber einen Arbeitsvertrag als Angestellter und mache in meinem Urlaub einen Segeltön ohne Verantwortung tragen zu müssen, den kann ich gut verstehen.

 

Aber Wiederstände sind dafür da, um sie zu überwinden. Motor und Segel müssen unbedingt in Ordnung sein, ich segel ja mit Gästen an Bord! Also habe ich das vorfinanziert und dem Eigner das Geld nachher von seiner Chartergebühr abgezogen. Nachdem der Chef der Marinepolizei mich erst einmal zum Cay (Tee) eingeladen hatte, gab es auch mit den Behörden Frieden. Viele kurzfristige Buchungen führten dazu, dass die Auslastung doch ganz brauchbar war, und so konnte ich mich endlich auch wieder am Segeln erfreuen und mein Leben genießen. 

Obwohl der schwedische Eigner der Ceylan mit dem Verchartern noch guten Gewinn gemacht hatte, fand er es doof, dass man ins Boot auch investieren muss. Unter den Exmitseglern gab es jemanden, der die Yacht kaufen wollte, vorausgesetzt ich mache weiterhin Törns damit. Ja super! Ein Vertrag ist schnell gemacht, alle sind happy und jetzt wurde auch einiges in die Yacht investiert.

 

Von der zerstörerischen Beziehung hatte ich mich getrennt, die Yacht war besser als je zuvor am Start und der Agent hat wieder Kojen abgenommen. Inzwischen hatte ich gute soziale Kontakte bei den Behörden, in den Buchten, bei Handwerkern und vielen anderen Skippern und Liveabords. Ich war bestens vertraut mit dem Revier und seinen thermischen Besonderheiten. Das Segeln an der türkischen Riviera wurde zum Heimspiel. Ich kannte jede Welle beim Vornamen.

Ich bin genau da, wo ich sein will

In meinen Timer 2004 habe ich im September geschrieben:

"Ich habe alles was ich wollte in meinem Leben erreicht. Was soll noch kommen?"

 

Die Menschen in der Türkei sind sehr herzlich, so wurde der Sommer auch durch ungewöhnlich schöne zwischenmenschliche Erlebnisse geprägt. Besonders die Törns nach Selimiye zu meinem Freund Ilhan waren für meine Crew und mich immer ein Highlight. Volleyball in Knie tiefem Wasser und nach dem BBQ habe ich am Lagerfeuer Gitarre gespielt. Oft sind andere befreundete Skipper mit Crew dazu gekommen, und auch viele Türken aus dem Dorf, und haben mit uns zwischen den Hausruinen Party gemacht. Eine unglaublich authentische, puristisch schöne Zeit. GLÜCK BRAUCHT KEINE PALÄSTE. Schaut euch die Fotos an.

Wie es dazu kam, dass ich nach Portugal auswanderte

Portugal, hier lebe ich jetzt im Winter
Portugal, hier lebe ich jetzt im Winter

Inzwischen fand ich es blöde ausgerechnet den Winter in Deutschland zu verbringen. Die Zeit in der alles grau, nass und trüb ist. Ich bin eine Kälte-Mimi - das gebe ich zu. Ich empfinde es als eine Einschränkung der Lebensqualität, wenn man wegen des Wetters nicht vor die Türe gehen mag. Außerdem war da immer noch mein Horrornachbar mit Vorkaufsrecht auf mein kleines Hexenhaus und unserem Gemeinschaftsgrundstück. In Frieden leben würde ich da nie können. In mir schrie es nach Veränderung!

Meine Ex war wieder zurück nach Portugal gegangen. Es war März 2006, sie wollte mit dem Auto ein paar Dinge bei mir abholen und fragte mich, ob ich nicht mit nach Portugal fahren will. Die Strecke ist sehr lang und wir könnten uns abwechseln beim Fahren. Warum nicht? Mal wieder etwas Neues sehen und Portugal kannte ich bis dahin noch gar nicht.

Das Land hat mich dann gleich begeistert. Angenehmes Klima, viel Sonne und eine friedliche Atmosphäre. Freundliche Menschen und eine umwerfend schöne Landschaft mit dem Atlantik vor der Tür, dazu sehr günstige Lebenshaltungskosten. Was will man mehr?

Ich hatte auch gleich das Glück, einen sehr internationalen Haufen Glücksritter kennenzulernen, die alle in dem Realestate Büro von dem Luxemburger John gearbeitet haben. So ziemlich jede europäische Nation war da vertreten und die "Amtssprache" im Büro war Englisch. In Deutschland war ich mit meiner Lebensgestaltung für meine Freunde ein Alien. Hier in Portugal waren alle ein bisschen durchgeknallt. Wir haben jeden Abend gemeinsam etwas unternommen und hatten viel Spaß. Einen Abend sagte mir John, dass er mich gerne im Team hätte. Ob ich nicht nach Portugal kommen möchte. Danke aber nein, ich gehe wieder in der Türkei segeln. Das Schicksal war schon wieder am Kichern ..... glaubst du?

Das unfreiwillige Ende meiner Segelzeit in der Türkei

Urlaub auf einer Segelyacht im Mittelmeer.
letzter Raki in der Türkei Skipper Jochen

Ich hatte wieder einen Vertrag mit dem Agenten und schon einige Buchungen, aber der neue Eigner der Ceylan ließ sich sehr viel Zeit mir den Chartervertrag zu schicken. Dann bekam ich eine Mitteilung von ihm: Meine Frau ist schwanger ich habe die Yacht verkauft. Das Foto rechts ist vom Ende der letzten Saison in der Türkei. Vermutlich auch das letzte mal, das ich Raki getrunken habe.

Eine Ersatzyacht zu annehmbaren Konditionen zu bekommen war so kurzfristig nicht mehr möglich. Alles was ich noch tun konnte war, die Gäste und den Agenten an einen anderen Skipper mit ähnlicher Yacht zu vermitteln. Die Saison sollte losgehen und ich war raus. Was jetzt?

Eine Tür geht auf, eine andere geht zu ... ist das ein Zeichen?

Also habe ich in Portugal angerufen und John gefragt: Meinst du das Ernst, möchtest du dass ich bei euch mitmache? Zwei Wochen später war ich dann in Portugal und fing an mit kurzen Haaren als "international sales consaltant" zu arbeiten.

Das lief zwar gar nicht so schlecht, aber irgendwie war ich doch wieder zum Bürohengst mit vielen Überstunden geworden. Das Maklerbüro wurde zu schnell zu groß ohne einen strukturellen, professionellen Hintergrund. Es ging nur noch um Provisionen. Neid und Misstrauen waren das Gift, dass diese familiäre Atmosphäre zerstört hat. Nach nur 10 Monaten habe ich gekündigt, und ein halbes Jahr später war der Laden pleite und hat sich aufgelöst.

 

 

Tschüß Deutschland

 

Ich wollte nicht mehr zurück nach Deutschland mit dem grauen Wetter, wollte nicht mehr zurück in meine kleines Hexenhaus mit diesem Ekel von Nachbarn. Es war mal wieder Zeit für Veränderung. Also habe ich mein Haus zum Verkauf angeboten.

 

Eine kleine Anekdote zum Nachbarn: Es kam mal wieder einer der vielen Briefe von seinem Anwalt und es sollte der letzte sein. Diesmal war es eine Anzeige wegen Beleidigung. Ich hätte ihn Arschloch genannt. Meine Antwort lautete wie folgt: Ich würde ihren Mandanten niemals Arschloch nennen, da dies eine Beleidigung aller Arschlöcher auf dieser Welt wäre. Ich habe lediglich bemerkt, dass er sich wie ein Arschloch verhält und bedauere das ich damit allgemeine Arschlöcher auf sein Niveau herunter gezogen habe. Dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ihre Briefchen mit den absurden Forderungen und Anklagen die jeder Rechtsgrundlage entbehren langweilen mich inzwischen. Erstatten Sie Anzeige und wir treffen uns vor Gericht. Auf ihren albernen Schriftverkehr werde ich nicht mehr reagieren.

Der Anwalt wusste wohl das ich Recht hatte und sein Mandant seine Rechtsschutzversicherung missbraucht - nur um mir das Leben schwer zu machen. Er hat mir nie wieder geschrieben und auch keine Anzeige eingereicht.

Was für ein großes Glück, dass der Käufer, den ich für das Haus gefunden habe, Rechtsanwalt ist.

 

Ein erste Versucht eine eigene Segelyacht zu kaufen

viagempirata Reiseberichte und Blog über ein Leben als Aussteiger
viagempirata Reiseberichte und Blog über ein Leben als Aussteiger

Jetzt hatte ich etwas Geld zusammen und wollte endlich meine eigene Yacht kaufen. Eine Yacht mit der ich Mitsegeltörns machen kann und auf der ich leben würde. Ist gar nicht so einfach das passende Boot zu finden. Klar gibt es im Internet viele Angebote. Eins auf den Philippinen, eins in der Karibik, Griechenland und Brasilien … die Reisekosten, um alle zu besichtigen, wären so hoch, dass kein Geld mehr für eine Yacht übrig bleibt. Oft ist die Enttäuschung bei einer Besichtigung groß, da die gezeigten Fotos im Internet aus „besseren Zeiten“ sind und man vor Ort nur noch ein Sanierungsobjekt vorfindet.

Nach monatelangen Internetrecherchen habe ich mich dann in mein Auto gesetzt und bin nach Barcelona gefahren, wo ich ein interessantes Angebot gesehen hatte. Von da habe ich in jedem Hafen entlang der spanischen Küste über Gibraltar bis nach Portugal in die Algarve nach Yachten geschaut. In Torrevieja wurde ich fündig. Ein kleiner Katamaran zu einem annehmbarem Preis. Im Vorvertrag habe ich darauf bestanden, dass als Kaufbedingung „Osmose frei“ steht. Dann habe ich einen Gutachter beauftragt, der der Yacht Bestnoten gab. Danach wurde die Werft von mir beauftragt den Kat auszukranen und das Unterwasserschiff neu zu machen. In Portugal habe ich eine dicke Abschiedsfete gegeben, am nächsten Morgen meine Sachen gepackt und bin ab nach Torrevieja!

 

Da stand sie nun an Land und es war auch für Laien ersichtlich. Diese Yacht hatte Osmose im fortgeschrittenen Zustand. Was für eine Scheiße!!! Der ganze Rumpf müsste komplett neu gemacht werden. Kosten ca. 20.000 € und die erste Saison würde ausfallen. Das Geld hatte ich nicht. Ich bin vom Kauf zurückgetreten, durch die Kosten für die Werft und den Gutachter um einige Euros erleichtert. So bin ich mit hängenden Ohren wieder zurück nach Portugal gefahren. Von der Yachtsuche hatte ich erst mal die Nase voll.   

Neue wege, neue Geschäftspartner und das Casacapitao

Reisebericht Blog Aussteiger Segelyacht Portugal
Reisebericht Blog Aussteiger Segelyacht Portugal

Da dauerte es nicht lange und ich bekam einen Anruf von einer mir unbekannten Segelagentur die mich für eine komplette Saison anwerben wollte. Die Konditionen waren gut, also habe ich zugesagt. Mein Revier sollte Sardinien sein.

Die Yacht war schon am Anfang der Saison in einem erschreckend miserablen Zustand. Sicherheitsrelevante Dinge funktionierten nicht. Die Mängelliste war sehr lang und es waren viele dringliche Sachen defekt. Nachdem ich in den ersten 3 Wochen bereits von meinem Geld 1500 € in den Seelenverkäufer investiert hatte, um mit den Gästen überhaupt auslaufen zu können, und ich noch keine Heuer gesehen hatte, habe ich mich geweigert mit dieser Yacht weiter zu fahren. Mit diesem Agenten war nicht vernünftig zu reden, es kamen nur Drohungen und Geschrei. Bis dahin hatte ich den Umgang mit Agenten immer sehr entspannt erlebt. Deshalb habe ich auch vertrauensvoll das Geld vorgestreckt. Mir war sofort klar, dass ich diese Zusammenarbeit nach der Saison beenden würde. Ich blieb stur, mit dieser Yacht fahre ich nicht! Als Skipper hast du die Verantwortung für die Sicherheit der Gäste und des Bootes. Diese Yacht entsprach nicht den Anforderungen um Sicherheit zu gewährleisten.

Ich habe mich dann noch bereit erklärt den Schrottkahn ohne Gäste nach Elba in eine Werft zu bringen und habe danach eine andere Yacht in gutem Zustand bekommen – die Yanthana.

 

Die Agentur hat Familientörns angeboten und so hatte ich dann auch oft Familien an Bord. Dann hatte ich mal wieder eine Familie an Bord. Ein sympathisches Paar mit zwei kleinen Mädchen. Am dritten Tag habe ich den Mann angeraunzt, weil er mir nicht sorgsam genug mit der Yacht umgegangen ist. Er schaut mich ganz ruhig an und sagt: „Weißt du eigentlich, dass das meine Yacht ist?“ und ich …. äähhh, nö, wusste ich nicht.

Das war die Geburt einer Männerfreundschaft und einer langjährigen Zusammenarbeit. Wir hatten beide die selbe Ansicht über die Agentur. Ich habe ihm erzählt, wie ich das vor Jahren in der Türkei gemacht habe und Rainer war sehr angetan von der Idee. Er hatte schon schlechte Erfahrungen mit Skippern und Agenten hinter sich. Die Aussicht nur noch mit mir die Dinge klären zu müssen hat ihm gefallen. Leider war die Yanthana noch ein Jahr vertraglich gebunden. Es war 2007 und wir könnten erst 2009 mit unseren Plänen loslegen.

 

Am Ende der Segelsaison 2007 bin ich wieder zurück nach Portugal. Ich wollte dort ein kleines Häuschen kaufen, um einen festen Platz in dieser Welt zu haben, an den ich mich jeder Zeit zurückziehen kann.

 

Das Haus mit den ca. 65 qm, das ich im Sinn hatte und mir leisten konnte, war dann leider eine Woche zuvor verkauft worden. Ich mag dieses kleine Dorf Serra dos Mangues an der Silberküste und habe herum gefragt, ob nicht jemand von noch einem günstigen Haus weiß, das dort zu verkaufen ist.

Ich war gerade in einer Meditation und habe mein Projekt erbeten, da klopft es an der Tür und Nelson steht da.

Er spricht gut englisch und fragt; your looking for a house in Serra dos Mangues? I can show you something. Dann zeigt er mir ein Haus am Ende einer Sackgasse mit 2 Etagen, 2 getrennten Wohnungen und stark renovierungsbedürftig. Mit ca. 210 qm umbauter Fläche ist es viel zu groß und weit über meinem Budget. Nur die obere Etage ist einigermaßen bewohnbar. Ansonsten schreit das Haus nach Arbeit! Aber die Lage und Aussicht sind einfach toll und es hat Potenzial. Ich rechne rauf und runter, spreche mit der Bank. Es ist 2008, das Jahr der Krise und mit meinem unseriösen Lebenslauf will die Bank nur einen kleinen Kredit genehmigen. Wenn ich alles zusammen kratze plus Kredit bekomme ich nur 65% vom Kaufpreis zusammen. Ich muss ja auch noch von was leben und ins Haus investieren, weitere Einkünfte sind ungewiss. Ich spreche mit Nelson und sage ihm, dass ich an mehr Geld nicht herankomme. Das ist es, mehr kann ich nicht bieten. Er lehnt natürlich ab. Zwei Wochen später steht er wieder vor meiner Tür und sagt. Was soll`s, kauf es.

Dann kam eine Zeit des Minimalismus. Ich darf nicht pleite gehen, das Haus muss an den Start. Sobald ich anfangen kann zu vermieten würde es sich selbst finanzieren. Also, die Ärmel hoch gekrämpelt und renovieren! Jeden Cent 2 mal umdrehen und wenn Geld ausgeben, dann für Baumaterial.

 

In dem Sommer habe ich dann nur 2 Monate als Skipper (Lipparische Inseln) gearbeitet um die Portokasse aufzubessern. Die restliche Zeit des Jahres war ich Arbeiter auf meiner eigenen Baustelle.

Was aus dem Casacapitao wurde

Segeltörns rund Korsika mit der Yanthana

2009

Rainer und ich hatten den Kontakt gehalten und er wollte mir wie geplant die Yanthana verchartern. Ich habe meine alten Kontakte mit der befreundeten Segelagentur wieder aufleben lassen und die boten mir an, meine Törns in den Katalog aufzunehmen, wenn ich rund Korsika-Törns anbieten würde.

Na klar, warum nicht. Korsika ist auch nicht so klein. Die Umrundung war auf 2 Wochen Törns aufgeteilt. Von Bastia nach Propriano, dort Crewwechsel und dann von Propriano nach Bastia.

Die Westküste von Korsika kann sehr heftig werden und so scheiterte der Törnplan schon in der ersten Woche. Wir mussten 2 mal zurück nach Calvi weil wir die Scandola nicht passieren konnten. Wenn man nach 3 Stunden mühsamen aufkreuzen in schwerer See nur 5 sm gegen den Wind schafft, die Crew entweder kotzt oder apathisch dasitzt, macht es keinen Sinn weiter zu machen. Der nächste Ankerplatz wäre noch 25 sm, also15 Stunden weiter gewesen. Zwei Tage hinter einander haben wir das versucht und sind dann wieder zurück nach Bastia. In den folgenden 2 Jahren bin ich dann aber noch sehr oft um Korsika gesegelt und habe immer noch Respekt vor der Westküste.

Rund Korsika klingt gut, ist aber problematisch, wenn man zu einer bestimmten Zeit in einem Hafen ankommen muss. Am ersten Tag musste ich mich auf Grund der Wetterlage entscheiden, ob ich im oder gegen den Uhrzeigersinn um die Insel segeln will. Wenn der Wind nach ein paar Tagen ungünstig für meine Richtung wird, müssen wir trotzdem weiter. Selbst wenn der Wind von der Stärke her gut segelbar war mussten wir oft die Strecke mit Motor machen. Stell dir folgende Situation vor, die wir öfter hatten. Der Wind hat angenehme 3 Bf, kommt aber genau auf die Nase. Es gibt nur wenige Möglichkeiten für einen sicheren Platz zum Übernachten. Unser Ziel liegt 30 sm entfernt. Wenn wir die ganze Strecke aufkreuzen, werden aus dem direkten Weg von 30 sm mal eben 70 sm. Wir segeln mit 5 kn. Dann dauert das Aufkreuzen 14 Stunden. Die Crew möchte aber morgens in Ruhe frühstücken und sich den schönen Zielhafen auch noch anschauen und dort Essen gehen. Es ist Hochsaison und die Hafenplätze sind knapp. Man muss vor 17.00 Uhr einlaufen um überhaupt eine Chance auf einen Liegeplatz zu haben. Die einzige Möglichkeit ist, mit dem Motor gegenan zu bolzen. Da kommt man sich ganz schön blöd vor, wenn man trotz Wind motort.

Auf der Westseite ist oft zu viel Wind und starker Wellengang. Die bis zu 2700 Meter hohen Berge auf Korsika führen dazu, dass auf der Ostseite meist Flaute ist und die landschaftlich eher langweilige Seite eh meistens mit Motor gemacht werden muss. Das macht auf Dauer keinen Spaß. Außerdem sind die Verkehrsanbindungen sehr dürftig und meine Crews waren sehr lange unterwegs, um an den Starthafen in Propriano zu kommen. Die schönsten Buchten von Korsika sind eh im Süden. Also habe ich im dritten Jahr die Törns an/ab Solenzara angeboten, von wo ich dann immer Richtung Süden gesegelt bin.

In diesen 3 Jahren habe ich jeden Winter an meinem Haus in Portugal gearbeitet und so langsam kam auch die Vermietung von den Ferienwohnungen in Gang. Die Segeltörns liefen gut und so war ich dann aus dem Gröbsten raus. Die Sorge pleite zu gehen hatte ich ablegen können.

 

Wer mehr über die Törns rund Korsika lesen möchte kann gerne mal unter dem älteren Blog schauen.  

Idealer Starthafen Cannigione segeln zwischen Sardinien und Korsika

Mein Favorit zum Starten war aber schon immer die Marina von Cannigione im Norden Sardiniens. Das schönste Segelrevier mit viel Abwechselung ist dort direkt vor der „Haustür“. Fast jede Windrichtung lässt sich zum Segeln nutzen. Es gibt schöne Buchten in jeder Himmelrichtung.

Da ist das Maddalena Archipel mit den wunderschönen Inseln und man ist auch schnell im Süden von Korsika. Es gibt so viele schöne Ankermöglichkeiten, dass ich selbst Gästen die zum 5ten mal dabei sind noch Neues zeigen kann. Der Flughafen Olbia auf Sardinien hat eine gute Anbindung.

Mehr zum Revier findest du hier REVIER.

Die ganzen Anekdoten und spannenden Geschichten, die auf den Segeltörns - auch schon auf den Törns in der Türkei - passiert sind, kann ich hier gar nicht alle unterbringen.  Das spannendste auf den Törns ist die menschliche Seite, die Mitsegler an Bord. Da gibt es unzählige Geschichten. Aber es soll ja ein Bericht über meinen Aussteigerwerdegang sein. Vielleicht sollte ich doch noch mal ein Buch schreiben.

Auf die Idee diesen ersten Blog zu schreiben hatte mich eine Mitseglerin gebracht und der war dann auch das kleine Steinchen, der etwas in Rollen gebracht hat.

 

Die Winter in Portugal wurden gemütlicher und das Haus jedes Jahr besser und schöner. Aus der eingefallenen Garage mit einem Nebenraum habe ich noch ein kleines Einzimmerappartement gemacht. Das ist so gemütlich geworden, dass ich es Pequena Perola (kleine Perle) genannt habe. 

 

Meine Lebensgestaltung war schon sehr gut gelungen aber ich war in ein paar Bereichen noch abhängig und noch nicht so selbstbestimmt wie ich es gerne sein wollte. Der Yachteigner sagte jedes Jahr: Diese Jahr machen wir das noch so und dann schauen wir mal weiter. Auch von der Segelagentur war ich abhängig und die haben ihre Macht gegenüber uns Subunternehmern genutzt, um die Konditionen jedes Jahr etwas schlechter zu machen. Dem war ich ausgeliefert.  

Eigene Yacht und eigenes Marketing. Unabhängigkeit!!

Skipper Jochen spielt Backgammon am Strand
Skipper Jochen spielt Backgammon am Strand

Mein Freund Armin war Webdesigner und hatte mir eine Homepage gemacht. Damals musste das alles im HTML Code geschrieben werden. Diese HP war sehr unpersönlich, aber ein paar Buchungen kamen dann schon von da. Ein kleiner Schritt zur Unabhängigkeit?

Mein bester Freund Armin ist dann mit 42 Jahren ganz plötzlich und ohne Vorankündigung an Herzversagen gestorben. Das war ein herber Verlust für mich und auch die Homepage war damit weg.

Dann kam Jan an Bord, ein großer Fachmann im Bereich sozial Media wie sich herausstellte. Er hatte bei mir direkt gebucht. Mein Internet war schlecht und unsere Kommunikation sehr dürftig. Er hat nur auf eine SMS hin 1000 Euro überwiesen. Wie kannst du nur so vertrauensselig sein? hab ich ihn gefragt. Er hatte meinen Blog entdeckt und kannte alle Geschichten auswendig. Er sagte, das ist halt sehr authentisch gewesen - dem habe ich vertraut. Man weiß genau wie, wo und was und auch deinen Humor bekommt man mit. Alle anderen Anbieter schreiben immer dasselbe: Wir haben deutschsprachige Skipper, die Yacht ist eine Bavaria 42 oder eine SunOdyssee 43 oder oder und der Wind ist im Durchschnitt bei 3-4 Bf. Man weiß also eigentlich nichts.

Er hat mich überredet selbst eine eigene Homepage mit einem Baukasten-system zusammen zu stellen. „Schreib einfach von der Leber weg. Auch wenn das nicht so super strukturiert ist – es ist authentisch! und bring den Blog unbedingt auf der Homepage unter. Wer dich und deine Art blöd findet, der soll doch auch woanders buchen oder nicht?“ Das habe ich dann gemacht und schon im ersten Jahr kamen 30 % aller Buchungen über meine neue Homepage. Im Jahr darauf waren es 50 % und dann sogar 70 %. Danke für die Tipps und das du mich motiviert hast Jan!

 

Ich bin auch sehr dankbar, dass ich so lange mit der Yanthana fahren konnte. Es waren jetzt schon 5 Jahre. Der Sommer 2014 war sehr windig und es hat gelegentlich auch geregnet. Dafür ist die Yanthana nicht besonders gut geeignet, da sie keine Sprayhood hat. Man sitzt immer im Wind, auch abends vor Anker. Bei Regen muss man alles zumachen und hat keine Belüftung mehr. So langsam war ich nicht mehr so begeistert von dem Schiff. Die Kabinen sind sehr klein, 8 Schlafplätze auf mickrigen 42 Fuß und im Cockpit wurde es sehr eng wenn der Laden voll war. Das konnte ich nur über den Kojenpreis rechtfertigen. Für eine Woche mag das ja gehen, aber ich verbringe fast mein halbes Leben auf der Yacht. Ich wollte mehr Lebensqualität!

Mein Aussteiger-leben bekommt mehr unabhängigkeit und Lebensqualität

Die Segelyacht Jojo ist zum Mitsegeln ideal
Die Segelyacht Jojo ist zum Mitsegeln ideal

Rainer wollte keine größere Yacht kaufen, also habe ich angekündigt, dass ich selber nach etwas Größerem suchen werde. Ich finde es noch bemerkenswert, wie toll wir harmoniert haben. In den 5 Jahren hatten wir nicht einmal Streit und sind nie laut geworden. Wir haben immer alles in Ruhe besprochen. Insofern waren wir schon ein Dreamteam. Aber die Yanthana wurde mir zu klein und unbequem. Ich bin froh, dass ich Rainer immer noch zu meinen guten Freunden zählen kann.

Schon im November, kurz nach der Saison 2014 wurde ich fündig. Eine Bavaria 46 aus dem Baujahr 2005. Viele Kenner sagen das ist die beste Yacht, die Bavaria je gebaut hat. Tolles Platzangebot, schiffig und sportlich aber gutmütig und ein so großes Vorschiff, dass ich dafür gleich eine Sonnenliege anfertigen ließ. So eine Liege passt sonst nur auf die ganz großen Yachten. Die Jojo wurde in Portisco verkauft. Das ist zufälligerweise genau in meinem Stammrevier und ich musste sie noch nicht mal überführen.

 

Die Agentur wollte mal wieder ihr Konditionen verschlechtern, sie hatten im letzten Jahr aber nur 30 % der Buchungen gebracht. Nach langem hin und her haben wir uns dann mit netten Worten getrennt. Ich würde nie schlecht über die reden, alles zuverlässige und gute Leute die da arbeiten. Diese Agentur hat mir 15 Jahre geholfen, meinen Traum zu leben. Ich bin nur dankbar und habe mich sehr lieb von allen Mitarbeitern verabschiedet.  

Jetzt kam ein neuer Abschnitt in meiner Segelkarriere. Eigene Yacht und keinen Agenten mehr. Ich muss niemanden mehr fragen, wenn ich etwas machen will. Ob es Investitionen in die Yacht sind, der Starthafen oder Sonstiges. Allerdings trage ich auch das Risiko ganz alleine.

Mehr Komfort und mehr Lebensqualität mit der Jojo

Pimp my Jojo , mit der Segelyacht von Sardinien nach Portugal

Die Jojo war eine Charteryacht und hatte Gebrauchsspuren. So eine Yacht ohne privaten Eigner wird nicht mit Liebe behandelt. Das wollte ich im Winter dann in Portugal nachholen. Meine letzten Törns in dem Jahr gingen dann über Menorca und Mallorca entlang der spanischen Küste, durch Gibraltar und über die Algarve und entlang der portugiesischen Atlantikküste bis nach Nazaré. Wenn du weit genug scrollst, oder den Link nutzt, kannst du die Törnberichte in dem Blog finden.

Der Hafen von Nazaré ist nur 8 km von meinem Haus entfernt. Da konnte ich jeden Tag hinfahren und an der Jojo arbeiten.

Im Hafen habe ich dann den Engländer Alex kennengelernt. Er hat alle Werkzeuge, kennt jeden im Hafen und ist der ansässige Bootsbastler von Nazaré. Ein interessanter Typ mit einer Vorliebe für Gitarren. Zuhause habe ich drei schöne Gitarren, also habe ich ihn eingeladen mich zu besuchen. Er kommt mit einem jungen Deutschen. Roman, ein langhaariger easy-going Typ der 3 Monate in Portugal war und in ein paar Tagen wieder zurück nach Deutschland will. Wir haben einen schönen Abend und ich dachte das er dann weg ist.

Eine Woche später komme ich auf das Werftgelände und da steht ein winziges Zelt. Auf 2 Paletten, darauf eine Matratze aus dem Sperrmüll und darauf das Minizelt. Roman kommt heraus gekrochen und ist völlig durchgefroren, die Nacht war kalt. Er hat aus irgendwelchen Gründen seinen Flug verpasst und jetzt kein Geld mehr für ein Hostel. Ich biete ihm an, auf der Jojo zu übernachten. Da gibt es vernünftige Betten, einen Herd, Toiletten und einen Heizlüfter. Er ist sehr dankbar und als er mitbekommt, dass ich am Boot einiges an Arbeiten mache sagt er: Ich kann mich ja etwas revangieren und dir helfen. Schöne Idee, also frag ich ihn: „Was kannst du denn so?“ Seine Antwort: „Ich bin Bootsbauer“! Wie geil ist das denn !! Als er die ersten Arbeiten gemacht hat wird gleich klar, dass er nicht unbedingt schnell arbeitet, aber was er macht hat super Qualität.

Wir treffen eine Vereinbarung, er kann auf der Jojo wohnen und ich gebe ihm wöchentlich etwas Geld und dafür arbeitet er ein paar Stunden an der Jojo.

Dann habe ich ihm erzählt, dass mein Traum für diese Yacht ein festes Deckshaus ist. Nach dem Atlantiktörn und den vielen Jahren auf der Yanthana so ganz ohne Schutz hatte mich der Gedanke fasziniert. Ich wusste nur nicht wie man sowas umsetzten kann.

Erstmal hat er nichts dazu gesagt und nach ein paar Tagen zeigt er mir eine Skizze. So könnte das aussehen. Ich frage ihn: Kannst du so etwas auch bauen? Er schaut mich entrüstet an und sagt nur „Ich bin Bootsbauer!“

Das würde ein großes Projekt werden und viel Zeit in Anspruch nehmen. Nachdem er mir verspricht, so lange zu bleiben bis das fertig sein würde, bestellen wir das Material.

Meine Nerven mussten in der Zeit ganz schön viel aushalten. Die Gefahr das danach das schöne Design der Yacht leiden würde war groß. Die wenigen Yachten, bei denen nachträglich ein Deckshaus aufgebaut wurde, sehen nicht so schön aus. Es gibt so vieles zu bedenken und einen klaren Plan hatten wir nicht. Wir haben einfach mal angefangen und dann gibt es kein Zurück mehr. Die Materialien musste ich aus Deutschland bestellen. Er hatte sich ständig verschätzt und vergessen mir Bescheid zu sagen, dass ich etwas nachbestellen muss. Die Lieferung dauerte um die 10 Tage und wie schon gesagt, der schnellste ist er nicht und das Wetter hat uns auch öfter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Saison kam immer näher und das Deckshaus wurde und wurde nicht fertig. Ich hatte Buchungen für Törns im Frühjahr in der Algarve und musste zu einem bestimmten Zeitpunkt los. Roman bastelt halt gerne so vor sich hin und geht an den Strand, wenn er gerade keinen Bock zu arbeiten hat. Ich hatte schlaflose Nächte, aber mit Zeitdruck kann Roman gar nicht umgehen. Er ist dann mit mir gemeinsam von Nazaré in die Algarve gesegelt und gleich nach dem Festmachen in jedem Hafen hat er versucht die Arbeiten abzuschließen. In Vilamoura Mittags um 12 Uhr hat er noch lackiert und um 17 Uhr kamen die ersten Gäste. Puhh ! Aber es hat sich gelohnt! Das Design ist spitzenmäßig geworden! Ich bin dem Roman sehr dankbar, das hat er toll gemacht! Das Design ist so harmonisch, dass die Meisten glauben die Yacht wäre so mit dem Deckshaus von der Werft gebaut wurde. Das Biminitop schließt mit dem Deckshaus ab und ist wasserdicht. Wenn es auf anderen Yachten wegen Wind, Regen oder Spritzwasser ungemütlich wird, sitzten wir im Cockpit der Jojo ganz entspannt und trocken. Jetzt ist die Jojo ein einzigartiges Unikat.

Von der Algarve haben ich dann mit wechselnden Crews die Yacht wieder durch Gibraltar, entlang der spanischen Küste über Ibiza, Mallorca und Menorca wieder zurück nach Sardinien gebracht.

Törnbericht:

Algarve - Gibraltar - Malaga 

Malaga - Ibiza

Ibiza - Mallorca

Mallorca - Menorca - Sardinien

Ich habe schon so viele Reviere gesehen und muss immer wieder feststellen, dass mein Revier zwischen Sardinien und Korsika das Schönste ist.

Jetzt segel ich schon wieder seit 2014 mit meiner eigenen Yacht und mache mein eigenes Marketing ... und ?…. läuft!

 

Ja, das war es mit meiner Geschichte zum Aussteigen, Auswandern und den 20 Jahren Skipperjubiläum. Ich habe vieles weggelassen und es gibt natürlich unzählige spannende und lustige Storys und Erlebnisse die ich hier ausgelassen habe. Auch zum Thema Lebensphilosophie gäbe es noch viel zu schreiben. Aber ich lasse es erstmal dabei und hoffe, dass euch die Geschichte gefallen hat. Vielleicht ist es ja eine Anregung für den ein oder anderen sein Leben bewusst selber zu gestallten und freier von all den Konventionen zu sein. Eins ist gewiss, wir werden alle früher oder später sterben. Wenn man das akzeptiert hat kann man sein Leben ohne Angst angehen und versuchen, es mit möglichst viel Leben und schönen Momenten zu füllen. Seit mutig, traut euch was - und habt keine Angst zu leben! 

 

Vielleicht sehen wir uns ja mal an Bord der Jojo.

Skipper Jochen in seinem Element